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Fahrzeug für 1,50 € bei eBay ersteigert
06.09.2016

Der Verkäufer bot auf der Internetplattform eBay einen gebrauchten Pkw (Golf 6) mit einem Marktwert von ca. 16.500,- € im Wege einer Internetauktion mit einem Startpreis von 1,00 € zum Verkauf an. Diesen Betrag bot ein unbekannt gebliebener Fremdbieter. Als einziger weiterer Fremdbieter beteiligte sich der Käufer an der Auktion. Dabei wurde er vom Verkäufer, der über ein zweites Benutzerkonto Eigengebote abgab, immer wieder überboten. Derartige Eigengebote sind nach den zugrunde liegenden Allgemeinen Geschäftsbedingungen von eBay unzulässig. Bei Auktionsschluss lag ein „Höchstgebot“ des Verkäufers über 17.000,-- € vor, so dass der Käufer mit seinem danach in gleicher Höhe abgegebenen Gebot nicht mehr zum Zuge kam.

Der Kläger war nun der Auffassung, er habe das Fahrzeug für 1,50 € - den auf 1,00 € folgenden nächsthöheren Bietschritt – ersteigert, da er ohne die unzulässigen Eigengebote des Verkäufers die Auktion bereits mit einem Gebot in dieser Höhe „gewonnen“ hätte. Nachdem der Verkäufer ihm mitgeteilt hatte, das Fahrzeug bereits anderweitige verkauft zu haben, verlangte der Käufer Schadensersatz in Höhe des angenommenen Marktwertes des Kraftfahrzeugs.

Mit Urteil vom 24.08.2016 gab der Bundesgerichtshof dem Käufer Recht:

Der Verkäufer gab dadurch, dass er die Auktion des zum Verkauf gestellten Fahrzeugs mit einem Anfangspreis von 1,-- € startete, ein verbindliches Verkaufsangebot ab, welches an denjenigen Bieter gerichtet war, der zum Ablauf der Auktionslaufzeit das Höchstgebot abgegeben haben würde. Letzteres stammte vom Käufer. Es betrug 1,50 € und nicht 17.000,-- €. Denn auch wenn er seine zahlreichen Maximalgebote immer wieder und zuletzt auf 17.000,-- € erhöhte, gab er damit noch keine auf das jeweilige Maximalgebot bezifferte und auf den Abschluss eines entsprechenden Kaufvertrages gerichteten Annahmeerklärung ab. Deren Inhalt erschöpfte sich vielmehr darin, dass im Vergleich zu den bereits bestehenden Geboten regulärer Mitbieter jeweils das nächsthöhere Gebot abzugeben, um diese Gebote um den von eBay jeweils vorgegebenen Bietschritt zu übertreffen und auf diese Weise bis zum Erreichen des von ihm vorgegebenen Maximalbetrages Höchstbietender zu werden oder zu bleiben. Nachdem aber außer den unwirksamen Eigengeboten des Verkäufers nur ein einziges reguläres Gebot in Höhe von 1,00 € auf den Gebrauchtwagen abgegeben worden war, wurde der Käufer mit dem nächsthöheren Gebot von 1,50 € Höchstbietender.

Nach Ansicht des BGH begründet es keine Sittenwidrigkeit des Kaufvertrages, dass dieser damit im Ergebnis zu einem weit unter dem Verkehrswert liegenden Betrag zustande kam, da es gerade den Reiz einer Internetauktion ausmacht, den Auktionsgegenstand zu einem „Schnäppchenpreis“ erwerben zu können. Dass der Käufer nach dem Auktionsergebnis die Lieferung des Fahrzeugs für einen eher symbolischen Kaufpreis von 1,50 € hat beanspruchen können, beruht allein auf dem erfolglosen Versuch des Verkäufers, den Auktionsverlauf in unlauterer Weise zu seinen Gunsten zu manipulieren.

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